Die Osteoarthrose (OA) ist die häufigste Gelenkerkrankung; ihre Prävalenz steigt mit dem Alter, und sie stellt die Hauptursache für Behinderung bei Personen über 65 Jahren dar. Am häufigsten ist das Kniegelenk betroffen.

Einleitung

An Entstehung und Progression der OA sind degenerative, entzündliche und reparative Prozesse beteiligt, die strukturelle Veränderungen im gesamten Gelenkkomplex verursachen. Eine wesentliche Komponente ist der degenerative Prozess im Knorpel: Seine Integrität geht verloren, sein Volumen nimmt ab, und die Synthese von Kollagen sowie weiterer Bestandteile der extrazellulären Matrix ist gestört.

Bei unzureichender Wirksamkeit der oralen Therapie wird üblicherweise eine intraartikuläre Injektionstherapie empfohlen. Am häufigsten werden Kortikosteroide und Hyaluronsäure (HA) eingesetzt. Kortikosteroide haben einen vorübergehenden entzündungshemmenden Effekt, ihre bedeutsame Nebenwirkung ist jedoch die Chondrotoxizität. Der Einsatz von HA ist bewährt – sie verbessert Elastizität und Viskosität des intraartikulären Milieus und stimuliert die Aktivität der Chondrozyten. HA allein führt jedoch nicht zwangsläufig zu einem längerfristigen Effekt.

Die aktuelle Forschung zielt darauf ab, das therapeutische Potenzial der HA durch die Kombination mit weiteren bioaktiven Substanzen zu erhöhen, deren Wirkungen einander ergänzen. Zu diesen Substanzen gehören das Chondroprotektivum N-Acetylglucosamin (NAG) sowie die Aminosäuren Prolin und Glycin. NAG ist die wirksamste Form des Glucosamins, beeinflusst den Glucosestoffwechsel nicht und hemmt Matrix-Metalloproteinasen. Glycin und Prolin bilden Grundbausteine des Kollagens. Neu verfügbar ist das Produkt ALGYL GGP, das ein patentiertes Gel mit der Kombination aus HA, NAG, Glycin und Prolin enthält.

Klinische Studie – Material und Methodik

Die prospektive, randomisierte, verblindete Studie wurde zwischen Januar 2023 und Januar 2024 an zwei klinischen Zentren in der Türkei durchgeführt. Eingeschlossen wurden 111 Patienten im Alter von 40–80 Jahren mit Gonarthrose Grad 2–3 nach der Kellgren-Lawrence-Klassifikation und einer Symptomdauer von mindestens 6 Monaten. Etwa 88 % waren Frauen.

Die Patienten wurden in drei Gruppen eingeteilt: Gruppe 1 (n=35) – HA allein (40 mg Natriumhyaluronat); Gruppe 2 (n=29) – HA + 30 mg L-Prolin; Gruppe 3 (n=47) – die Vierfachkombination HA + N-Acetylglucosamin + Glycin + Prolin (ALGYL GGP). Vor der Anwendung sowie 2, 8 und 12 Wochen danach wurden der WOMAC-Index, der algofunktionelle Lequesne-Index und die visuelle Analogskala für Schmerz (VAS) erhoben.

Ergebnisse

Die Abnahme des WOMAC-Index war in allen Gruppen bis zur 12. Woche statistisch signifikant (p<0,001). Zwischen der 8. und der 12. Woche kam es jedoch in den Gruppen 1 und 2 bei einem Teil der Patienten zu einer erneuten Verschlechterung, während sich die Werte in Gruppe 3 weiter verbesserten – die Vierfachkombination hat somit eine längere Wirkdauer. Ein vergleichbarer Verlauf zeigte sich beim Lequesne-Index und bei der VAS: Nach 12 Wochen erreichte Gruppe 3 signifikant niedrigere (bessere) Werte als die Gruppen 1 und 2 (p<0,001 bei WOMAC und VAS, p<0,05 bei Lequesne).

Zwischen Gruppe 1 (HA) und Gruppe 2 (HA + Prolin) wurden keine signifikanten Unterschiede festgestellt – die alleinige Zugabe von Prolin zur HA genügt nicht; für deutlich bessere Ergebnisse ist eine Anreicherung nicht nur mit Prolin, sondern auch mit Glycin und N-Acetylglucosamin sinnvoll.

Niedrigere Werte bedeuten ein besseres Ergebnis. Die Grafiken geben die Werte der Originalstudie wieder (Kaval B., 2025). WOMAC im Zeitverlauf VAS im Zeitverlauf Lequesne im Zeitverlauf

Hinsichtlich der Sicherheit war das einzige beobachtete unerwünschte Ereignis ein vorübergehender Schmerz nach der Injektion bei einem Teil der Patienten; er trat unter keinem der Präparate häufiger auf und klang allmählich ab.

Diskussion und klinische Implikationen

In der mit der Vierfachkombination behandelten Gruppe war die Besserung ausgeprägter und anhaltender. Der Effekt lässt sich auf die Fähigkeit von NAG zurückführen, die Menge an Kollagen Typ II zu erhöhen sowie die Synthese von HA und Glykosaminoglykanen zu stimulieren, und auf die Rolle der Aminosäuren Glycin und Prolin in der Kollagenstruktur. Die Vierfachkombination bietet eine bessere Wirksamkeit, eine stabilere langfristige Besserung und eine längere Wirkung – bei einer Sicherheit, die mit konventioneller HA vergleichbar ist. Die Kombination von HA mit Prolin, Glycin und N-Acetylglucosamin (ALGYL GGP) stellt somit eine gut verträgliche und wirksame Behandlungsoption der Gonarthrose dar.

Kommentar eines Orthopäden

Prof. Dr. habil. Pavel Dufek (Sporthopaedic, Hamburg): „Das neue Produkt ALGYL GGP, das auf einer Vierfachkombination biogener Substanzen mit belegter, einander ergänzender Wirksamkeit beruht, ist ein willkommener Fortschritt. Die Kombination von Hyaluronsäure, N-Acetylglucosamin und den Aminosäuren Glycin und Prolin in einem einzigen intraartikulären Präparat stellt eine rationale Strategie dar, die die Gabe mehrerer Wirkstoffe im Rahmen einer einzigen Anwendung ermöglicht. Ich habe Erfahrung mit dem Präparat nicht nur bei Gonarthrose, sondern auch bei weiteren pathologischen Zuständen des Kniegelenks, beispielsweise in der Sportmedizin.“

Kombinationsmöglichkeiten mit weiteren Produkten

ALGYL GGP lässt sich im Rahmen der intraartikulären Therapie mit PRP (thrombozytenreiches Plasma) kombinieren. In der Sequenz kann anschließend ALGYL COLL (lineare HA + rekombinantes humanes Kollagen) zur weiterführenden Viskosupplementation und strukturellen Unterstützung angeschlossen werden.

Quelle: Kaval B. (2025); Gök O. (2024); Patent WO 2024/080954A1. Fachredaktion Edukafarm. Der Text hat fachlichen Charakter und ersetzt weder die aktuelle Gebrauchsanweisung noch die individuelle klinische Entscheidung.